Ein Manifest der alltäglichen Kämpfe

(Januar 2019)

Wir sehen uns als Suchende und wir kämpfen für eine andere Gesellschaft: Weltweit sozial und ökologisch gerecht, alle Menschen einbezogen und mit gleichen Rechten, friedlich, selbstbestimmt und selbstorganisiert. Wir sagen „Kämpfe“ und meinen den alltäglichen Prozess. Denn der Alltag entscheidet. Jedenfalls das Meiste.

Wir kommen aus unterschiedlichen sozialen Bewegungen und sind bereits im Austausch. Doch wir wollen mehr: Einen übergreifenden Suchprozess für eine gemeinsame Perspektive. Für eine solidarische Alternative gegen den kalten Neoliberalismus und erst recht gegen den Rassismus der Rechtspopulisten. Wir wissen, was wir heute fordern, und warum. Morgen kann sich das erweitern oder ändern. Übermorgen mag es ganz neue Herausforderungen geben. Wir wollen zusammen lernen, offen zu bleiben.

Wir sind aktiv, jeden Tag. In lokalen Initiativen und Vereinen, in transnationalen Netzwerken. In kleinen Gruppen oder größeren Organisationen. Wir kämpfen gegen das Unrecht vor unserer Haustür und in der großen Welt. Denn alles hängt zusammen. Kein Reichtum ohne Armut, keine Teilhabe ohne Ausgrenzung, kein Wachstum ohne Zerstörung, kein Frieden ohne Krieg, keine Macht ohne Unterdrückung. Ein kompliziertes, über Jahrhunderte gewachsenes Gefüge des Unrechts, dem wir uns an unzähligen Orten auf vielfältige Weise entgegenstemmen. Wir wünschen uns, dass aus dem alltäglichen Kleinen etwas gemeinsames Größeres erwächst.

Die Zustände schreien nach Veränderung! Es gibt Alternativen und es gibt auf diesem Planeten genug für Alle. Darin wollen wir uns gegenseitig ermutigen. Wir wollen mehr Austausch und Verständigung, auch über Widersprüche in und zwischen den sozialen Bewegungen. Und nicht zuletzt über die Frage, was ein gutes Leben für alle bedeutet.

Wir haben sehr unterschiedliche Erfahrungen und Geschichten. Ungeduldig verlangen wir jetzt und heute unmittelbare Veränderungen. Geduldig diskutieren wir, wie die Welt in 30 Jahren aussehen könnte. Wir bewegen uns zwischen Sofortprogramm, Richtungsforderungen und Utopien. „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?!“ heißt unsere gemeinsame Initiative. Das Ausrufezeichen steht für die Unversöhnlichkeit mit den herrschenden Zuständen. Und fragend schreiten wir voran. Wir haben keine allgemein gültigen Lösungen, allenfalls Zwischenschritte in einem gemeinsamen Lernprozess. Mit einem Kompass in Richtung einer gerechteren Gesellschaft.

Anne Pinnow & Christopher Laumanns/Konzeptwerk Neue Ökonomie Leipzig; Volker Moerchen & Olaf Bernau/nolager Bremen; Ullrike Hamann & Sandy Kaltenborn/Kotti & Co Berlin; Michael Fütterer & Heiner Köhnen/transnationals information exchange (tie) Frankfurt; Marion Bayer & Hagen Kopp/kein mensch ist illegal Hanau; Steffen Haag/VisaWie Ludwigsburg; Jessica Reisner/Aktion Arbeitsunrecht Köln; Hermann Mahler/attac Duisburg; Timmo Scherenberg/Hessischer Flüchtlingsrat Frankfurt; Mag Wompel/Labournet Dortmund; Nadja Rakowitz/Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte Maintal; Tobias Huth/Gewerkschaftssekretär Offenbach; Antirassistische Gruppe Internationale Solidarität/Darmstadt; Heike Karau & Thomas Lutz/Rojava-Solidarität Hanau; Maurice Stierl/WatchTheMed Alarm Phone Berlin; Kirsten Huckenbeck/Redaktion express Frankfurt;  Newroz Duman/Jugendliche ohne Grenzen Hessen; Ulrich Berger/Berlin; Thomas Lechner/Gemeinsam für Menschenrechte und Demokratie München; Reinhard Treue/kein mensch ist illegal Darmstadt; Wolli Kanz/Alarm Phone München; Still No one is illegal-Meet up Kassel; Plattform Solidarity City Kassel; Miriam Edding/Stiftung :do Hamburg; Visa Wie? – Gegen diskriminierende Visaverfahren; Daniel Bendix/Kassel postkolonial?; Internationale Liga für Menschenrechte, Berlin; Anne Jacobi/Degrowth Kassel; Marita Blessing, frauen- und menschenrechte aktiv; Elisabeth Voss/Solidarisch Wirtschaften für eine Welt ohne Grenzen, Berlin; Bobby Langer/ökoligenta Würzburg; Decolonize Jena!; Bildungskollektiv knoten.punkte Jena; 

Kontakt: welche-gesellschaft@riseup.net